
Auch in diesem Jahr besuchte TIM's Krippenfahrt sehenswerte Weihnachtskrippen des Emslands. Die Reise, unter der Leitung von Elisabeth Kässens, führte am 11. Januar 2025 zu Krippendarstellungen nach Wesuwe, Haren, Sögel, Stavern, Dankern, sowie Clemenswerth, und bot unvergessliche Eindrücke und Momente der Besinnung.
St. Clemens-Kirche in Wesuwe: Eine bezaubernde Krippe
TIM’s diesjährige Krippenfahrt begann in der im 12. Jahrhundert gegründeten und damit zu den ältesten Kirchengemeinden im Bistum Osnabrück zählenden St. Clemens-Kirche in Wesuwe. Der Kirchturm von St. Clemens ist schon von weitem zu sehen und bildet das Zentrum von Wesuwe. Um ihn herum hat sich ein reges Gemeindeleben entwickelt. Im Gotteshaus wurden die Krippenfreund*innen von Sonja Golla, von der Pfarreiengemeinschaft „ETWAH“, zu der St. Clemens gehört, mit einem interessanten Vortrag über die Geschichte und das Gemeindeleben in Wesuwe begrüßt. Die liebevoll gestaltete Krippe beeindruckte durch ihre Größe, detailreichen Figuren und die harmonische Anordnung. Besonders waren die Gliederpuppen mit ihrer handgenähten Kleidung, die von den Wesuweer Frauen gefertigt und gepflegt werden.
Historischer Schatz: Die Krippe in der St. Martinus Kirche in Haren
Weiter ging es zur als „Dom des Emslandes“ bekannten St. Martinus Kirche in der alten Schifferstadt Haren. Hier begrüßte Kirchenführer Rüdiger Hamm die Gäste mit einem interessanten Vortrag über die Historie und das Interieur von St. Martinus. In dem Gotteshaus trägt die vom Münsteraner Künstler Johannes Wehrenberg eindrucksvoll gestaltete Krippe seit 1939 zur weihnachtlichen Atmosphäre bei und stellt damit einen besonderen Schatz des Emslandes dar. Diese Krippe, so erwähnte die mitgereiste Monika Sievert in ihrem Vortrag, ist eine typische „Regionalkrippe“. Mit vielen heimischen Attributen spiegelt diese Darstellung des Weihnachtsgeschehens Bräuche und Traditionen der Region wider. Figuren wie der kleine, zur Krippe eilende Junge mit der Harener Pünte unter dem Arm, ein „Middewinterhornbläser“ oder ein kleines betendes Mädchen an der Krippe setzen in ihrer liebevollen Gestaltung eindrucksvolle Akzente. Dem Künstler ist es perfekt gelungen, durch dezent gefasste, detailreich aus Lindenholz geschnitzte Figuren, wie den die Heilige Familie umgebenden Chor der Engel - der im Emsland einzigartig ist - eine beeindruckende Darstellung der Weihnachtsgeschichte entstehen zu lassen.
Besonderheiten wie der vor einigen Jahren von Bediensteten der JVA Meppen gefertigte, meterhohe schmiedeeiserne Krippenstern unterstreichen die Einbindung in die lokale Kultur und verleihen der Krippe ihren einmaligen Charakter.
Rumänisch-Orthodoxe Kirche in Sögel: Spirituelle Darstellungen und Bedeutung der Ikonen in der Weihnachtszeit
Dann wurde in Sögel die 2021 komplett aus Holz gebaute, erste rumänisch-orthodoxe Kirche Niedersachsens, St. Jakobus und St. Nektarie, besichtigt. Hier begrüßte Gemeinderatsmitglied Adrian Masgai die Krippenfreund*innen und stand den Teilnehmenden Rede und Antwort. In orthodoxen Kirchen gibt es die Tradition einer Weihnachtskrippe im eigentlichen Sinne zwar nicht; aber die Tradition von Ikonen ist in der rumänisch-orthodoxen Kirche reich und tief verwurzelt. Während der Weihnachtszeit sind sie ein zentraler Bestandteil der Liturgie und der festlichen Dekoration. Die Gläubigen werden durch den mit Ikonen reich und aufwändig bebilderten Altarraum der Kirche an das göttliche Geschehen der Geburt Christi erinnert. Auch die teilnehmenden Krippenfreund*innen spürten im Gotteshaus diese tiefe spirituelle Bedeutung deutlich.
St. Michael-Kirche in Stavern: Emsländischer Schafstall in festlicher Atmosphäre und eine besondere Tradition
Nächste Destination war die weihnachtliche Darstellung der St. Michael-Kirche in Stavern. Die zentral unter dem Zelebrationsaltar aufgebaute Krippe, besteht aus 19 Keramikfiguren und wurde zum Weihnachtsfest 1913 erstmalig aufgestellt.
Heimische Findlinge und Birkenstämme begrenzen die Heilige Szene. Eine Begrenzung, egal ob Zaun oder eine Mauer, hat in der Krippensymbolik mehrere Bedeutungen und Funktionen; primär aber symbolisiert sie Schutz und Geborgenheit für die Figuren; aber auch Abgrenzung und sagt: „Dies ist ein heiliger Bereich!“ So kann die Trennung zwischen dem Heiligen innerhalb der Krippe und dem Profanen außerhalb der Krippe dargestellt werden. Als besondere Überraschung begrüßten einige Staverner Königssänger die Teilnehmer*innen von TIMs Krippentour mit einem Segensspruch zum Neuen Jahr und einem traditionell in Stavern gesungenen Dreikönigslied. Die Tradition der Königssänger, die auf das Jahr 1886 zurückgeht, wird noch heute in der Hümmlinggemeinde fortgeführt. Etwa 20 junge Männer singen nach dem Dreikönigstag in jedem Haushalt und sammeln Spenden für die Aktion „Leben ohne Lepra“.
Nach einem deftigen Mittagessen bei emsländischer Grünkohlplatte im Restaurant „Plünnhock“, ging es gestärkt weiter.
Kapelle des Wasserschlosses in Haren-Dankern: Ein Vortrag zur Historie und Weihnachten auf Dankern in früheren Zeiten
In Haren-Dankern besuchte TIM die der Heiligen Notburga geweihte Kapelle des barocken Wasserschlosses. Dort verzauberte Schlossführer Clemens Schüer die Besucher mit einem beeindruckenden Vortrag zur Historie des Schlosses und der Kapelle.
Neben der faszinierenden Geschichte des Schlosses und der Kapelle, brachten Herr Schüers Erzählungen die Teilnehmer auch zum Lachen, als er über persönliche Erinnerungen über Weihnachtsgebräuche und den Traditionen auf dem Schloss vor 70 Jahren sprach. Herr Schüers humorige und herzerfrischende Erzählungen brachten den Geist der vergangenen Weihnachtsfeste wieder zum Leben und ließen die Besucher die altehrwürdigen Mauern der Kapelle mit neuen Augen sehen. Zum Abschluss des Vortrags stimmte Clemens Schüer mit den Teilnehmern in der Kapelle des Schlosses ein Weihnachtslied an, was die festliche Atmosphäre perfekt abrundete. So wurde der Besuch der Kapelle des Wasserschlosses in Haren-Dankern zu einem unvergesslichen Erlebnis voller Geschichte, Humor und festlicher Freude.
Schloss Clemenswerth: Barocker Zauber und geistlicher Rückzugsort
Auf einer Krippentour die in den Hümmling führt, darf ein besonderer Augenschmaus natürlich nicht fehlen! So bildete das Jagd-Schloss Clemenswerth in Sögel den Abschluss der visuellen Eindrücke bei TIMs diesjähriger Krippenfahrt.
Das im 18. Jahrhundert errichtete architektonische Meisterwerk, verzaubert durch seine elegante Struktur und seine historische Bedeutung. Der sternförmige Grundriss mit dem eindrucksvollen Hauptpavillon und den acht Nebenpavillons repräsentiert das barocke Zeitalter in all seiner Pracht. Das besondere Flair der Anlage umspielt auch die Schlosskapelle, die neben dem Klostergebäude den hier ansässigen Kapuzinern als geistliches Herzstück dient. Die der Heiligen Maria und dem Heiligen Hubertus geweihte Kapelle, vielfach als „nördlichste Rokokokapelle Bayerns“ tituliert, zeichnet sich mit ihrem reichen, faszinierenden Farben- und Formenreichtum, den bedeutenden Wandmalereien, Stuckaturen und einem großartigen Deckenfresko, sowie der beeindruckenden Atmosphäre aus.
Ebenso bedeutend ist der gläserne Schrein mit den Gebeinen des Märtyrers Fructuosus. Die Weihnachtsdarstellung in der Schlosskapelle ist sehr zurückgenommen und liebevoll aus Terracottafiguren gestaltet. Die Geburtshöhle besteht hier aus einer Baumwurzel, die aus dem Schlosspark stammen könnte.
Der Ausklang der Krippenfahrt fand beim Kaffeetrinken im Imbiss „Bi Windhus“ in Berßen statt.
Fazit: TIM's Krippenfahrt durch das Emsland bot eine inspirierende Reise, die die Vielfalt traditioneller und moderner Krippen, das tiefe spirituelle Erbe und die Kreativität der Gemeinden eindrucksvoll zur Geltung brachte und dabei einen wahren Augenschmaus sowie tiefere Einsichten ermöglichte.
Artikel von Monika Sievert